Schwarzfahren 2.0

Die Geschichte

Bei der Bahn kann man auch als moralisch gefestigter Mensch (unfreiwillig) schwarzfahren. Und das geht so:

Ich bin in Hamburg und will zurückfahren ins Allgäu. Früher habe ich dazu immer ein Online-Ticket ausgedruckt, aber der Spezl, den ich besuche, hat keinen Drucker. Aber er meint: „Da gibts doch jetzt so ein Online-Ticket, das wird auf dem Display des iPhone angezeigt. Mach doch das!“

Klingt gut. Ich will gegen 9:00 fahren, also melde ich mich bei der Bahn an. Da gibt es tatsächlich die Möglichkeit, ein Mobilticket zu kaufen, also hat mein Spezl recht gehabt. Ich kaufe das Ticket. Die Bahn bedankt sich für die 129 Euro, um die meine Kreditkarte in Kürze belastet werden wird.

Was nicht kommt, ist das Online-Ticket. Es soll als MMS aufs Mobiltelefon zugestellt werden. Nach einiger Zeit melde ich mich nochmal bei der Bahnseite an und lasse es mir noch mal zustellen. Immer noch nichts.

Also gehe ich zum Bahnhof. Die 129.- bin ich ja los, also will ich auch fahren. Eine Fahrkarte kaufe ich nicht, sonst müsste ich ja doppelt bezahlen. Nach einigem Hin und Her am Bahnsteig finde ich einen Zugbegleiter, dem ich meine Lage erkläre und der dann sagt, ich solle jetzt erstmal einsteigen, wir würden dass im Zug klären.

Wir fahren los, der Zugbegleiter kommt an meinen Platz und stellt mir, da ich nicht im Besitz eines gültigen Fahrscheins bin, ein „Schwarzfahrerticket“ aus. Das würde stolze 202 Euro kosten, aber die Bahn wird erst prüfen, ob ich wirklich schwarzgefahren bin.

Wenige Tage später habe ich ein Schreiben der Bahn im Briefkasten, ich solle belegen, dass ich ein Online-Ticket gekauft habe. Das kann ich natürlich nicht, da ich ein Mobilticket, kein Online-Ticket gekauft habe. Also rufe ich bei der Hotline an. Die möchte, dass ich Ihnen eine Kopie meiner Kreditkartenabrechnung schicke, aus der hervorgeht, dass ich die Buchung wirklich vorgenommen habe. Kommt mir zwar ein bisschen seltsam vor (kann ich umgekehrt bitte ein paar Kreditkartenabrechnungen von Bahnmitarbeitern sehen?), aber ich tue es.

Dann ist Ruhe. Und nach einer ganzen Weile bekomme ich einen Brief des Inhalts, dass die Bahn von einer Interpretation als Schwarzfahrt absieht. Und sie würde mich bald gern wieder im Zug begrüßen. Na ja, da bin ich mir noch nicht so sicher, ist ja rechtlich schließlich ganz schön riskant, so eine Bahnfahrt.

Hintergrund

Für technisch Interessierte hier der Grund, warum das Online-Ticket nicht zugestellt werden konnte. Die Bahn hat meine Telefonnummer als IP interpretiert. Kann ja nicht funktionieren. Siehe Screenshot.

Eine Telefonnummer, als IP interpretiert

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