Kopf schlägt Kapital

Ein sehr interessantes Buch von Günter Faltin, dem Gründer der Teekampagne. Es geht darum, dass man Unternehmen auch gründen kann, ohne tiefschürfende betriebswirtschaftliche Kenntnisse (ein bisschen rechnen können schadet natürlich trotzdem nicht), ein Patent für ein mögliches Produkt oder gar die Mittel zu besitzen, sich eine komplette Fabrik aus dem Boden zu stampfen. Das erreicht man, indem man sich auf die Idee konzentriert und alles andere an Dienstleister auslagert. Das geht für fast alles, es gibt Dienste fürs Büro, für Lagerung, für Verpacken und Versenden, und und und. Auf diese Weise hat man an laufenden Kosten nur das, was man momentan braucht und was das Unternehmen auch einspielen sollte. Tut es nicht mal das, ist die Unternehmensidee vermutlich nicht tragfähig.

Die Idee der Teekampagne (falls sie jemand nicht kennt) war übrigens, all die Zwischenhändler zu umgehen, die normalerweise mitverdienen wollen und hochwertigen Tee sehr günstig anzubieten. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde die Auswahl radikal eingeschränkt (am Anfang nur eine Sorte) und nur Großpackungen angeboten; denn radikale Vereinfachung macht die Sache leichter.

Zuerst zum Negativen. Der Jargon nervt manchmal ein wenig. Man kann ja „Entrepreneur“ und „Entrepreneurship“ sagen, wenn man meint, dass es kein passendes deutsches Wort gibt. Ich persönlich fände „Gründer“ passend, aber na ja. Blöd wird es dann bei Konstruktionen wie „sie werden zum Powerful Entrepreneur“ oder „Serial Entrepreneur“. Das ist dann Denglish.

Das wars aber auch mit der Kritik. Das Konzept, sich ein Unternehmen aus Komponenten zusammensetzen, leuchtet ein. Wozu haben wir schließlich das ganze Internet, mit dem sich alles mögliche in Sekundenbruchteilen von A nach B transferieren lässt. Außerdem überzeugt Faltins Plädoyer für ein verantwortungsvolles Unternehmertum, das sicher viele anspricht, die schon längst nicht mehr wissen, wer im Wirrwarr des Wirtschaftens für was zuständig ist (sie selbst in ihrer täglichen Arbeit eingeschlossen) und die sich oft nur als Opfer von anderer Leute Gewinnmaximierung fühlen.

Anmerkung: Dieses Buch habe ich mir als Hörbuch zu Gemüte geführt. Es war das erste Hörbuch seit vielen Jahrzehnten, als ich als Kind auf einem alten Dual-Plattenspieler die Karl-May-Hörbücher mit Old Shatterhand und Co. verfolgt habe. Hörbücher sind wirklich eine praktische Sache, so kann man auf langen Autofahrten, auf denen man ja im Gegensatz zur Bahnfahrt nicht in einem Buch lesen sollte, trotzdem ein Buch zu sich nehmen.

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